Was ist ein Wald-/Naturkindergarten?

Süddeutsche Zeitung: Waldkindergärten sind beliebt wie nie
Er ist wie ein ganz normaler Kindergarten ohne Tür und Wände, in dem die Kinder spielen, werken, malen, toben, faulenzen, Geschichten lauschen, singen. Der Waldkindergarten hat das ganze Jahr hindurch den Wald als zentralen Aufenthaltsort. Wir finden hier sowohl Raum als auch Spielmaterial in Hülle und Fülle. Die Waldbewohner und sein Wandel in den vier Jahreszeiten vermitteln tiefgreifende sinnliche Eindrücke. Es gibt kein vorgefertigtes Spielzeug. So lernen die Kinder im sozialen Austausch miteinander für Unterhaltung zu sorgen. Das fördert die Fantasie, die Kommunikationsfähigkeit, die Eigenständigkeit und damit das Selbstbewusstsein enorm.

In Kontakt mit der zauberhaften Natur zu treten, eine Beziehung aufzubauen, Sinnzusammenhänge begreifen zu können, statt aus Medien zu konsumieren, bedeutet ganzheitliches, konkretes Lernen aus erster Hand. Die aktuelle Gehirnforschung bestätigt dies. Großflächiges, freies spontanes Bewegen im Wald fördert die Motorik sowie die Körperwahrnehmung.

Konzept

Das pädagogische Konzept von Waldkindergärten richtet sich nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz und wird in einer Umgebung umgesetzt, die Ausgeglichenheit, Gefühls- und Kooperationsfähigkeit der Kinder fördert. Freier Raum, Zeit und Stille kennzeichnen den Kinderalltag im Wald und beflügeln Kreativität und Phantasie.

Im Waldkindergarten wird abgesehen von einigen wenigen Werkzeugen auf handelsübliches Spielzeug verzichtet. Die Kinder sind in ihrer Kreativität und Phantasie gefordert und spielen mit Gegenständen die sie in ihrer Umgebung finden. So wird ein Wurzelstock zum Raumschiff und Moos mit Tannenzapfen bestückt zur Puppenstube. Natürlich dürfen Bücher und Bastelmaterial nicht fehlen und befinden sich in einer  beheizbaren Schutzhütte, der im Winter zum Aufwärmen genutzt wird. Auch im Wald kommen Bücher immer wieder zum Einsatz um den Kindern in der Natur vorgefundene Phänomene zu erklären und zu veranschaulichen.

Die Kinder werden beim Treffpunkt (Parkplatz Naturfreunde Haus) von den Eltern bei den Erziehern abgegeben. Die Gruppe begibt sich auf den Weg Richtung Hauptquartier und oft ist der Weg das Ziel. Ein paar Meter zurückzulegen dauert oft eine Stunde und länger.

Das macht aber nichts, denn die Kinder machen auf dem Weg interessante und lehrreiche Entdeckungen, so werden z. B. anhand von Bestimmungsbüchern Tiere und Pflanzen ausgiebig inspiziert. Außerdem gibt es viele schöne Spielgelegenheiten und so werden Baumwurzeln zu Ufos, Äste zu Motorrädern oder Tannenzapfen zu Puppenstubeninventar.

Studie: Waldkindergärten bereiten Kinder bestens auf die Schule vor.

Warum Wald-/Naturkindergarten? Welche Vorteile ergeben sich?

Hier loht ein Blick in die Studie von Dr. Peter Häfner.
Interessanter Artikel in der GEO Zeitschrift!
Kinder, raus in die Natur!“
http://www.geo.de/GEO/mensch/64781.html

Wesentliche Argumente

  • Abenteuerlust der Kinder wird befriedigt
  • Stärken des Imunsystems

    Die erholsame Umgebung und das draußen sein bei Wind und Wetter stärken die Abwehrkräfte und kräftigen das Immunsystem. An fallende Temperaturen und nasskalte Witterung gewöhnen sich die Kinder schnell.
    Die Ansteckungsgefahr bei Erkrankungen ist geringer, weil frische Luft keimärmer ist.

  • Entwickeln von Umwelt- und Naturverständnis
  • Anregung von Phantasie und Kreativität
    • Der Wald bietet aufgrund seiner Struktur schier unerschöpfliche Möglichkeiten zum Spielen und Entdecken. Das für das freie Spiel benötigte Material muss erst gesucht und seiner Funktion neu zugeordnet werden. So sind die Kinder gezwungen ihre Phantasie zu nutzen, die Kreativität wird in hohem Maße gefördert.
  • Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung und Verantwortungsbewusstsein stärken
    • Das Überwinden von Hindernissen – anfangs schwierig erscheinenden Situationen – schafft bei den Kindern Erfolgserlebnisse. Beim Herstellen von Bastelarbeiten mit Werkzeugen wie Schnitzmesser, Hammer und Säge (natürlich unter Aufsicht) entstehen kleine Kunstwerke, auf die die Kinder richtig stolz sein können.
  • Freiräume für Kinder
  • Vorbereitung zur Schulfähigkeit
    • Die Förderung beginnt nicht erst im letzten Jahr vor der Schule, sondern schon ab dem ersten Tag im Wald. Im täglichen Morgen- und Abschlusskreis üben die Kinder das Zählen und Sprechen vor der Gruppe sowie zuhören und stillsitzen. Der Wald und die Natur bieten zudem eine Vielzahl an Formen und Farben. Außerdem werden Naturmaterialien in die Vorschularbeit mit einbezogen. So werden zum Beispiel Maiskörner gezählt und addiert, Buchstaben können mit kleinen Zweigen gelegt werden, usw. Aber auch ein Vorschulprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache wird im Waldkindergarten durchgeführt. Waldkindergartenkinder werden nicht weltfremd erzogen, denn sie verbringen den Rest des Tages zu Hause (malen, basteln, Verkehrserziehung…). Sie haben sogar den Vorteil, den üblichen Alltag zu Hause mit einer Fülle von Walderlebnissen zu bereichern. Kinder aus Waldkindergärten sind in der ersten Klasse den Kindern aus Regelkindergärten an allgemeiner Reife voraus.Siehe dazu auch eine Studie zur Schulfähigkeit von Peter Häfner
  • Sozialverhalten
    • Im Wald gibt es keinen Lärmstress wie in geschlossenen Räumen. Das mindert das Aggressionsverhalten. Konflikte können in einer ruhigen Umgebung besser ausgetragen werden. Da die Gruppe altersgemischt ist, können Jüngere von Älteren lernen und umgekehrt. Gerade im Wald ergeben sich häufig schwierige und herausfordernde Situationen. Nach der Devise „Gemeinsam geht es besser“ helfen die Kinder sich ganz selbstverständlich untereinander.
      Der Spielraum Natur regt zum Rollenspiel an. Die Kinder entwerfen die Spielregeln und müssen vermehrt miteinander kommunizieren.
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